das Oratorium

Ein Wort vorweg…

Nach erfolgreichen Aufführungen des NGL-Oratoriums „Die Spur von morgen“ von Gregor Linßen und dem Rock-Pop-Oratorium „Emmaus“ von Thomas Gabriel stand für unser Projektensemble die Suche nach einem neuen Stück an. Doch es war schwer, ein passendes Projekt für uns zu finden.
Die Idee entstand, ein Stück zu entwerfen, das auf die Belange des Ensembles hin konzipiert wird. Etwa ein Jahr später ist aus diesen ersten wirren Ideen nun dieses Werk entstanden.
Warum Petrus? Mit „Petrus und der Hahn“ von Gregor Linßen, „Petrus“ von Siegfried Fietz, dem „Petrus-Oratorium“ von Kieser/Roos (Buchen) und anderen gibt es bereits Kompositionen rund um diese Person. Warum also wieder diese Thematik?
Allein der musikalische Rahmen und der Kompositionsstil der genannten Werke sind breit gefächert und sprechen den Zuhörer sicherlich unterschiedlich an. Aber auch inhaltlich werden verschiedene Wege beschritten: Von der Beschreibung des biblischen Simon Petrus bis hin zur abstrakten Darstellung der Figur Petrus.
Mit diesem Stück möchten wir in einer eigenen Form an diesen Petrus herangehen. Neben den Stationen des biblischen Petrus stehen seine Aufgaben, seine möglichen Gedanken und Konflikte im Mittelpunkt. Wir wünschen uns, dass wir mit diesem Stück Impulse geben können, um einen neuen Petrus zu entdecken. Vielleicht auch den Petrus in uns selbst…

Zum Stück

Über den historischen Petrus ist nur wenig bekannt. Insbesondere gibt es über seinen Aufenthalt in Rom und seine Kreuzigung dort kaum gesicherte Belege. Aber welche Rolle spielt es, welche Fakten wirklich historisch belegt werden können, wenn man auf den „Glaubensmann“ Petrus schaut?
Ausgangspunkt des Oratoriums ist die Kreuzigung des Petrus und damit verbunden ein Rückblick auf seine Erlebnisse, sein Wirken und seine vorgelebten Ideale, aber auch auf seine Zweifel und sein Versagen. Letztlich steht am Ende ein Mensch, der trotz aller menschlichen Unzulänglichkeiten zum „Kephas“, zum Felsen, geworden ist.
Was mag in ihm vorgegangen sein, als er das erste Mal auf Jesus traf? Wie ging es ihm, als er feststellen musste, dass er seinen eigenen großen Worten nicht gerecht werden konnte? Wie sah sein Innerstes aus, als er feststellen musste, dass er seinen Herrn dreimal verleugnet hatte?
Das sind Fragen, mit denen wir uns vielleicht auch selbst in verschiedenen Situationen unseres Lebens auseinander setzen. Wie durchdrungen bin ich von meinem Glauben und wie sehr lebe ich ihn aus? Leugne ich mein Christ-Sein, weil es nicht in meine Umgebung, in mein „offizielles“ Leben passt?
Einiges in diesem Werk legen wir Petrus in den Mund. Wir wissen nicht, wie es ihm wirklich erging und können letztlich nur mit unserem eigenen Erfahrungshorizont und Vorstellungsvermögen „etwas“ in Petrus hineininterpretieren. Es wird somit auch nicht der Weg des historischen Petrus gezeichnet, sondern der eines individuellen Petrus, wie wir ihn uns persönlich anhand von Auslegungen ausmalen können.
Simon Petrus wird es ähnlich ergangen sein wie uns Menschen heute. Und da „Petrus“ nur ein Beiname war, den Jesus dem Fischer verlieh, warum sollte nicht auch in jedem von uns ein wenig Petrus stecken?

Du bist Simon bar Jona - Petrus - und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.
DU, Kerstin, Elisabeth, Ulrich, André ... bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen...

Linda Deiß & Dirk Deiß (geb. Bongartz)
im Oktober 2010